Aktionsbündnis Alphabetisierung und Grundbildung Neukölln – Was 2011 geschah:

Zum letzten Plenumstreffen im Jahr 2011 kamen über 20 Teilnehmer, die sich nach einleitenden Reden von Ingan Küstermann von „Lesen und Schreiben e.V.“ und der Bezirksstadträtin Dr. Franziska Giffey zu verschiedenen Problemen der Alphabetisierung und Grundbildung austauschten und nach Lösungsmöglichkeiten suchten.

Festgestellt wurde zum Beispiel, dass ein großer Sensibilisierungsbedarf bei Ämtern, Einrichtungen und Beratungsstellen besteht. Aber auch die breite Öffentlichkeit muss auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Dazu wurden Ideen gesammelt, z.B. einen gemeinsamen Presseverteiler zu nutzen, eventuell einen Förderverein zu gründen, ein Quartiersmanagement für ganz Nord-Neukölln einzurichten oder Künstler zu gewinnen.

Als weitere Schwierigkeit wurde erkannt, dass unterschiedliche Vorstellungen über funktionale An-Alphabeten bestehen: sind sie deutsche Muttersprachler oder haben sie eine andere Muttersprache? Sind sie hier in Deutschland oder woanders aufgewachsen? Bei deutschsprachigen An-Alphabeten drängt sich dann die Frage auf, welche Probleme es im Schulsystem geben könnte. Hier wurde die Klassengröße genannt, aber auch die fehlende Sprachförderung und ein mögliches Desinteresse oder Überforderung der Lehrer/innen.

Allgemein gilt, dass Alphabetisierung als reines Bildungsproblem gesehen wird und daher die soziale Beratung vernachlässigt wird. Diesen Missständen wurden Lösungsmöglichkeiten entgegengestellt: eine bessere Aufklärung durch z.B. den Aufbau eines Beratungszentrums Neukölln oder einem/r Beauftragten für Alphabetisierung und Grundbildung in Neukölln. Außerdem müssten eine bessere Vermittlung in die verschiedenen Alphabetisierungsangebote ermöglicht werden, weitere Lernangebote eröffnet werden und attrakive, niedrigschwellige  Kulturangebote  entstehen, bzw. Zugang zu den bestehenden Angeboten vermittelt werden. Es wurde auch über eine Kooperation zwischen „Lesen und Schreiben e.V.“ und Anbietern von Integrationskursen nachgedacht. Vielleicht könnten auch eine Sitzung des Bildungsausschusses  im Verein „Lesen und Schreiben e.V.“ stattfinden.

Schließlich ging es um die Arbeit im Netzwerk und um das effektive Nutzen gemeinsamer Ressourcen. Zu wenig Betroffene, aber vor allem auch zu wenig Einrichtungen kennen „Lesen und Schreiben e.V.“. Daher sind verstärkte Informationsveranstaltungen, zentral gesammelte Informationen sowie ein besseres Zusammenarbeiten zwischen Anbietern in Neukölln notwendig. Wichtig ist auch der gute Übergang von der Beratungssituation in passende Angebote, da sich die Betroffenen häufig allein gelassen fühlen und sich nichts alleine zu trauen.

Nach dieser Einschätzung der Situation entstanden einige konkrete Vorschläge und Angebote. Das Kulturamt ermöglicht Betroffenen den Zugang zur Galerie und Termine für Information und Austausch wurden bekanntgegeben.  Eine Finanzierung des Aktionsbündnisses wurde endlich überdacht, und konnte 2012 in ein einjähriges Projekt „Alpha-Bündnis Neukölln“ umgesetzt werden.